Reasons Edge

Was man so alles zu hören bekommt an einem Ostermontag.

Zum Beispiel den Spruch “Na, du würdest dich ja nicht für dein Kind aufopfern.”

Von einer Frau, die mit ihrer eigenen Tochter seit 15 Jahren nicht gesprochen hat, zwei ihrer drei Enkelkinder nie gesehen hat. Die ihrer Tochter Vorwürfe macht, weil diese nicht dankbar sei wegen der Ausbildung, bei der ihre Eltern sie unterstützt hätten und überhaupt, und bla bla bla bla bla. Eine Frau, die mich übrigens nicht kennt - mich nur so zweimal oder dreimal getroffen hat in 15 Jahren.

Erst habe ich noch versucht zu erklären, dass eine Ausbildung nun mal normalerweise nichts ist, wofür Kinder/Jugendliche/junge Menschen außergewöhnlich dankbar sind, denn in dem Alter haben sie genug mit sich selbst zu tun und nehmen die Umstände so hin, wie die Eltern sie servieren: Geld daheim abgeben oder welches bekommen eben.

Aber dann fing dieser Satz in meinem Kopf an zu klingen. Was für Sätze einem doch diese widerwärtigesten Warzenschweine unter den Mitmüttern gerne um die Ohren hauen ... kurz vor oder nach der Klage um ihre Einsamkeit.

Ich kann die Tochter verstehen. Aus diesem ineinandergeschrumpften Warzenmaul eine durchlaufende Tirade, welche Tochter würde sich das schon antun?

# 26. April 2011 • 4 Voices



Zum ersten Mal ...

... in all den fünfzehn Jahren kann ich den Bedarf an einem passwortgeschützten Blog verstehen, nutze aber doch lieber die unterschiedlichen Möglichkeiten von Facebook, um mich zu verfiltern.

Wirklich toll finde ich derzeit Menschen, die anderen erklären, wann etwas schlimm ist und wann nicht. Faustregel: Die anderen haben es gefälligst auszuhalten, wird schon so schlimm nicht sein. Krank, traumatisiert und die Existenz verloren? Nicht ganz so schlimm wie ein feuchter Dielenboden, wenn man doch selbst betroffen ist! Oder so.

Nun. Man gewöhnt sich dran und irgendwie sind Erfahrungen ja auch immer zu etwas gut.

# 18. April 2011 • 0 Voices



Muss mal eben notieren, von unterwegs

The Eyre Affair (2001) Lost in a Good Book (2002) The Well of Lost Plots (2003) Something Rotten (2004) The Big Over Easy (2005) The Fourth Bear (2006) First Among Sequels (2007) Shades of Grey (2010) The Last Dragonslayer (2010), One of Our Thursdays is Missing (2011).

jasper fforde

# 11. Januar 2011 • 0 Voices



The next generation

Wenn ich irgendwo gejobbt habe oder fest angestellt war, kam ich grundsätzlich mein Leben lang pünktlich - was bedeutet, ein paar Minuten zu früh. Damit man sich in Ruhe einfinden, den Mantel weghängen und einen Kaffee holen konnte. Es war eine absolute Selbstverständlichkeit, dass ich selbst dafür verantwortlich war, unzuverlässige Zugverbindungen oder streikende Autos auszugleichen: Dann machte man sich eben so früh auf den Weg, dass es gar nicht erst passieren konnte, dass man ständig eine Stunde zu spät kam. Es war die Ausnahme, und die war so selten wie möglich.

Ganz anders alle, die heute für einen arbeiten. Ob Aushilfe, Büro-Service, Haushaltshilfe, Babysitter oder Handwerker: Sie stehen zum Teil tatsächlich lieber fünf Minuten vor dem Haus und klingeln zum Glockenschlag (!), als dem “Arbeitgeber” eine Minute zu schenken und verwandeln sich in rastloses Hirngelee, wenn sie länger als 30 Sekunden nach “Arbeitsschluss” noch irgendwas gefragt werden. Auch die ganz Jungen, die sich nur ab und zu etwas dazuverdienen möchten, sie kriegen es scheinbar so beigebracht.

Ich fand es immer schwierig, wenn mir gesagt wurde, ich solle etwas anders machen im Job und hatte daran schwer zu schlucken, eben weil ich mir immer viel Mühe gegeben habe. Auch dieses Problem hat die aktuelle Generation scheinbar nicht, die kündigen nämlich einfach sofort, sobald man um eine Änderung in der Arbeitsweise gebeten hat.

# 11. Dezember 2010 • 7 Voices



Im Traum

Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar, also hier bitte einfach mal in Gedanken die Stelle aus diesem schaurigschönschlechten Titanic-Film einfügen, in der die Kamera noch einmal durch alle Räume, Korridore und Ebenen des großen Schiffs fährt, die tatsächlich schon längst geflutet auf dem Meeresboden liegen.

So, genau so sind meine Träume über unsere alte Wohnung, sogar träumend muss ich absurderweise an die Kameraführung in diesem Film denken, wenn ich mich zwischen verkohlten Balken drehe, über die eingestürzte Gaube und durch das zerstörte Kinderzimmer fliege, jeder schwarze Balken eine Detailaufnahme, die Asche überall und Türen, wo längst keine Wände mehr sind, stundenlang die schwarzen Balken in Reichweite, jede verkohlte Rille eine Großaufnahme und immer wieder das Dach über mir, knirschend und schwankend und bröselnd die Reste des Gebälks. Dann wache ich auf und durchsuche die Wohnung, weil ich nicht mehr weiß, ob der Geruch aus dem Traum kommt oder nicht.

# 30. November 2010 • 2 Voices



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