My Heart is like an open Highway. My Blog is not.
Im anderen Weblog hatte eine Frau commentiert, die mich seit Monaten in einem ihrer eigenen Blogs ständig nölend von der Seite anlinkt, meist ohne eine direkte Ansprache, immer unter dümmster Verballhornung meines Namens und Nicknames, stets in einem völlig verprollten herrischen Tonfall ... und einen inhaltlichen Bezug habe ich auch nicht entdecken können, mal gefällt ihr mein Stil nicht, mal mein Benehmen oder mein Thema.
Eine Blogopädin, wie man sie wirklich nicht näher kennen möchte, auch nicht virtuell. Ich habe also eine Weile gewartet, ein paar Einträge geschrieben und dann ihren Comment gelöscht, der das eigentliche Thema sowieso nicht traf und mal wieder belehrernd (sic) ins Leere sabbelte. Nun beklagt sie sich, denn natürlich hat sie ihren Comment seit Sonntagabend umkreist – warum eigentlich?
Meine Erkenntnis: Um des lieben Friedens Willen irgendjemanden dulden mag zwar nervensparender sein, fühlt sich aber doch nicht so befreiend und richtig an wie ein Löschfingereinsatz: Mein eigenes und privates Blog darf ich sauber halten, ich muss es nicht jedem Troll und jeder Trolla als Werbeplattform für ihr Gesülz bereitstellen.
Zweiter Teil der Erkenntnis: Trolle sind nicht immer anonym. Manche gehören auch einfach zu jener penetranten Truppe, die mangels Alltagsauslastung rund um die Uhr andere und eigene Weblogs durchforstet und schon lange den Tastsinn dafür verloren hat, ob Dazwischengelabere grundsätzlich, immer und überall noch Kommunikation oder schon an der Grenze zur Belästigung ist.
Bei Leuten, die man sonst beleidigt und über die man ständig Falsches rumsülzt, ist man im Blog nicht erwünscht. Klingt eigentlich nicht so, als sei das schwer zu verstehen, oder?
Strange, wenn man bei Beziehungskatastrophen angerufen wird, weil man The Bloody Queen of Romance and Desaster ist und beim letzten Mal nur knapp mit nichts als Augenschatten davongekommen. Sehr erheiternd, und schön, wenn man trotzdem hilfreich sein kann. Sprach ich aus einer warmen Kuhle voll Liebe, Glück, Hautkontakt und Zukunft heraus ... und schielte nichtschuldbewusst über den Rand.
Double strange, wenn man einen guten Grund gefunden hat, einer Frau einen sexy Liebesgruß zu schreiben, obwohl in gefühlten vierhundertundsiebzehn Jahren noch nie eine körperliche Ertüchtigungsversuchung aus der nichtheterosexuellen Ecke übersprang. Aber immerhin, wenn die Neugier käme, wüsste ich, wohin damit. Und überhaupt ist „wenn eine die erste wäre, dann nicht du, ich bin da längst versprochen“ auch immer ein taugliches Nein Danke. Was schreib ich denn nun? Bei einem Mann wüsste ich’s, aber so ...
Triple Strange/r, wenn zwei Frauen sich unterhalten und die eine sehr fest davon überzeugt ist, dass selbst ein klitoraler Orgasmus stets nur ein Ergebnis harter Entspannungsvorarbeit sein kann, während die andere, well, never mind. Wenn irgendwas hart sein sollte, dann sicher nicht die Vorarbeit und nein, ich war nicht jene, sondern die andere Gesprächspartnerin war die Vorbereitungsbesessene. Beileid.
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Jetzt muss ich shoppen. So dringend wie sonst duschen oder Cappuccino haben, brauche ich jetzt blutrote Seide oder smaragdfarbene oder schwarzen Satin oder sonstwas, das über die Haut gleitet, sich anschmiegt und ein Vermögen kostet. Dringend.
Waking up to the sound of drums
Dann gehen Sie doch einfach nicht ins Internet. empfahl mir der schweinsgesichtige Opa auf der Kripo, als ich gegen Anzeige wegen Stalking erstatten wollte. Denn, so durfte ich von den anwesenden Herren unisono lernen, irgendwie ist eine Frau ja selbst schuld, wenn sie belästigt wird. Sie wird wohl jemanden abgewiesen haben oder auf sonst eine Art unverzeihlich provokant gewesen sein, und es rächt sich nun mal, wenn man kein liebes kleines Mädchen ist. Liebe kleine Mädchen aber haben auch Pech, wenn sie belästigt werden, dann war der Rock zu kurz oder die Natur des Mannes ist eben die Natur des Mannes und am besten bleibt man überhaupt zu Hause, erst bei Papi und dann beim ersten, der dem Frauchen eine Einbauküche finanzieren kann.
Wie man diesen Versorger und Küchenlieferanten kennen lernt, das erfahren wir in jedem Kinofilm der Neuzeit: Man nimmt am Ende den, der am gründlichsten bedrängen kann. Ist das nicht romantisch, wenn ein abgewiesener Held wieder und wieder und wieder auf der großen Liebe besteht? Im echten Leben wird man immer stummer, schläft schlechter, zieht heimlich um und nimmt im Alltag umfangreiche Umwege in Kauf. Während das wahre Kino- und Fernsehleben in der Zwischenzeit den Nachwuchs täglich lehrt: Druck zahlt sich am Ende aus, also bleibt am Ball, Jungs. Und den Mädchen kann nichts besseres passieren als einer, der sich nicht abwimmeln lässt, denn so sieht Romantik aus. Die Wiederholung treibt’s rein.
Wer das nicht lernen kann oder will, muss eigene Wege finden. Das Internet nicht mehr zu nutzen scheint aus irgendwelchen Gründen (...) auch nicht die adäquate Lösung und die Liebe an sich und in Zeiten ohne Cholera war sowieso schon immer viel zu einfach, das kennen wir ja alle. Also warum nicht parallel einen Stalker mitschleifen, andere haben Schimmel in der Wohnung oder im Hirn. In der Zwischenzeit muss ich darauf achten, mich nicht zu schneiden mit diesen Nägeln, die ich zu Krallen wachsen lasse und die wie geschaffen dafür sind, in Augenhöhlen gebohrt und dann gedreht zu werden. Denn der Beamten-Opa hatte natürlich recht, man bestimmt als Frau immer noch selbst, ob man lebt oder sich sonstigen Risiken aussetzt.
Let me not to the marriage of true minds
Admit impediments. Love is not love
Which alters when it alteration finds
Or bends with the remover to remove
O, no! It is an ever-fixed mark,
That looks on tempests, and is never shaken,
It is the star to every wandering bark,
Whose worth’s unknown, although his height be taken.
Love’s not Time’s fool, though rosy lips and cheeks
Within his bending sickle’s compass come;
Love alters not with his brief hours and weeks,
But bears it out even to the edge of doom.
If this be error, and upon me proved,
I never writ, nor no man ever loved.
Sonnet 116, Shakespeare
Neulich setzte der Stalker ein Zitat über Selbstmord in sein Weblog und verstummte dann für ein paar Tage. Gestern oder vorgestern fing er dann wieder an, es mit seinen Geschmoddertexten zuzumüllen und ich spürte, wie eine schwarze kleine Hoffnung zerbröselte und in den virtuellen Strudeln verschwand.
Was würde ein Stalker wie der wohl denken, wenn er wüsste, dass ich froh und immer noch fröhlicher wurde bei dem Gedanken daran, dass er nie mehr zurückkommen und seine schmierigen kleinen Belästigungen ausspucken würde? Würde er denken? Erleichterung war das, die in mir aufstieg, als ich dachte: Den sind wir los. Nicht, dass ich jetzt enttäuscht bin: Soll er doch sein verwanztes Stalker-Leben führen, ohne zu ahnen, dass sein dramatischer Kunstgriff (denn natürlich bettelte er um Aufmerksamkeit und Zuwendung mit dem Selbstmord-Gefasel) das Gegenteil bewirkte.
So weit ist es nicht, dass ich es schade finde, wenn jemand sich nicht vom Planeten verabschiedet hat, das nun auch nicht. Aber als Erfahrung war es schon verdammt interessant.
Ein gutes starkes Gefühl war das, erschreckend finster und wie ein kalter Klammergriff ums Herz, aber doch irgendwie auch kristallklar und befreiend.
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