Reasons Edge

Dreieinhalb Gänge runterschalten

So viel Ärger in den letzten Tage und meine Systeme stehen auf Angriff und Abwehr. Das merke ich vor allem daran, dass ich sehr viele Mails einfach lösche, die mich nur aufhalten würden. Wozu soll ich der Freundin oder Bekannten von X, Y und Z per Mail erklären, wie man sich eine eigene Homepage erstellt und wo sie Online-Ressourcen finden? Die wollen kostenlos irgendwas von mir, am liebsten die Arbeit abgenommen kriegen, und ich habe noch nicht ein einziges Mal bei auch nur einer dieser Mails eine dankende Antwort erhalten, es sei denn, sie hatten noch eine Frage. Also weg damit.

Ebenso die hoffnungsvollen Auch- und Mit-Autorinnen, die bei BoD ein Buch herausgegeben haben und mich nun zutexten und von mir Dinge wissen wollen, die sie selbst auch rausfinden könnten. Wieder dieselbe Erfahrung im Hintergrund: Es kommt eh keine Antwort mehr, sobald sie haben, was sie wollen. Aber selbst wenn, was soll ich mit denen? Ich suche keine neuen Bekannten. Diesmal habe ich den Löschfinger recht großzügig geschwenkt.

Was passiert dann? XYZ ruft an und nörgelt mich vorwurfsvoll zu, denn natürlich haben sie der unbedarften potenziellen Homepage-Betreiberin erzählt, dass ich eine gnadenlos gutmütige Vollidiotin sei, deren Zeit man tagelang am Stück stehlen könne und von der man zumindest eine mehrseitige qualifizierte Antwort erwarten kann. Ja. Das konnten sie haben. Zufällig habe ich gerade 50 Seiten Workshops für einen großen Webhoster geschrieben mal wieder und so bekam die Schnullerbacke einen Tipp für den nächsten Gang zum Kiosk und Tschüs. Wer alles umsonst will, wird sich doch freuen, ab knapp 30 Cent eine Domain reservieren zu können?

Warrior Modus tut mir ansonsten nicht sonderlich gut. Ich merke, dass ich die Krallen nicht einziehen kann und bei anderen voraussetze, dass sie mit ähnlich harten Bandagen kommunizieren können, was nur in wenigen Fällen zutrifft. Starre auf das Telefon und wünsche mir eine vertraute Stimme, die mich im Nackenfell nimmt und sanft freischüttelt, die mich beruhigt und aus diesem hart pochenden Pulsieren erlöst. Das geht aber nicht.

So buche ich eine Ganzkörpermassage mit Lymphdrainage für Freitag und hoffe, dass die Anspannung dieses Morgens allmählich abbröckelt, wenn ich mir jetzt langsam einen frischen Kaffee brühe. Zwei neue Aufträge warten in der Mailbox. Mal schauen, wie man das Adrenalin dort einsetzen kann.

Montag, 10. Mai 2004 • Link

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